Wie das Canyon Inflite in den vergangenen acht Jahren mehr Rennen gewann als jedes andere Bike – disziplinübergreifend
Montag, 2. Februar 2026: Es gibt nur wenige Fahrräder im modernen Radsport, die Erfolg grundlegend neu definieren. Das Canyon Inflite ist eines davon. Bei den UCI Cyclocross-Weltmeisterschaften am vergangenen Wochenende in Hulst, Niederlande, baute das Inflite einen Rekord weiter aus, der inzwischen weit über seine eigentliche Disziplin hinausreicht.
Gemessen an der Gesamtzahl der UCI-Rennsiege über einen Zeitraum von acht Jahren auf ein und derselben, durchgängigen Bike-Generation hat kein anderes Rennrad – weder aus dem Straßen-, Mountainbike- noch Gravel-Bereich – vergleichbare Ergebnisse erzielt. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das (Elite Männer/Frauen, U23): 14 UCI-Weltmeistertitel und mehr als 60 Einzelsiege bei Weltcup-Rennen.
Doch dies ist keine Geschichte über wenige Saisons oder einen einzelnen Fahrer – sondern über die außergewöhnliche Langlebigkeit einer Plattform.
In einer Ära, die von schnellen Produktzyklen und häufigen Frame-Resets geprägt ist, ist das Inflite im Kern stets dasselbe Rennrad geblieben – kontinuierlich verfeinert durch neue Spezifikationen, während der Rahmen selbst unverändert blieb. Die naheliegendste Erklärung für diesen Erfolg ist die Dominanz der Fahrer, denn der Einfluss von Mathieu van der Poel auf diese Zahlen ist unbestreitbar. Nur wenige Athleten in der Geschichte des Radsports haben rohe Kraft, technische Fähigkeiten und Konstanz in dieser Form vereint, und jede ehrliche Bewertung des Erfolgs des Inflite muss das berücksichtigen.
Als Canyon im Jahr 2017 erstmals Kontakt zu einem damals noch jungen Mathieu aufnahm, war er bereits ein erfolgreicher Cyclocross-Fahrer. Niemand konnte zu diesem Zeitpunkt ahnen, dass er sich zu jener prägenden Kraft entwickeln würde, die er heute im Straßenradsport, MTB, Gravel – und im Cyclocross – ist.
Julian Biefang, damals Product Manager für Cyclocross bei Canyon, erinnert sich: „Wir haben das Bike aus unserem Van vor Mathieus Haus geholt. Er griff es sich sofort – und das Erste, was er tat, war, mit einem Wheelie aus der Garage zu fahren und über einen rund 60 Zentimeter hohen Baumstamm in seinem Garten zu springen.“
Am Neujahrstag 2018 feierte Mathieu sein Inflite-Debüt in Baal, Belgien. Er gewann – übersät mit Schlamm, kaum wiederzuerkennen – in dem Stil, der heute weltweit mit ihm verbunden wird: als Solist. So auch an diesem Sonntag in Hulst (Niederlande): Bereits in Runde zwei setzte er sich ab und wurde nicht mehr eingeholt – ein einsames, aber triumphales Rennen zum historischen achten Weltmeistertitel.
Doch allein die Dominanz eines Fahrers erklärt nicht, warum sich die Siege über all die Jahre hinweg auf ein und demselben Bike weiter anhäuften.
Die Plattform – der Rahmen – hat sich schlicht nie verändert. Und Canyons Gründer Roman Arnold ist normalerweise nicht dafür bekannt, sich auf Erfolgen auszuruhen: „Unsere ingenieurgetriebene Denkweise ist sehr deutsch: Wir sind unsere schärfsten Kritiker und hinterfragen ständig den Status quo.“ Beim Inflite war diese Haltung nicht anders.
Doch in einer Zeit, in der sich Technologiezyklen schneller drehen als die Beine von Mathieus Teamkollegen Jasper Philipsen und der heutige Hype morgen schon als veraltet gilt, ist das Inflite das Inflite 1.0 geblieben. Acht Jahre lang – und es geht immer weiter. Also: Was ist anders?
Von Anfang an war das Bike kompromisslos cyclocross-spezifisch. Sein prägendstes Merkmal – die charakteristische Form des Oberrohrs, der sogenannte Kink – war der deutlichste Ausdruck dieses Ansatzes. Entwickelt, um das Schultern des Bikes natürlicher und schneller zu machen, war diese Lösung provokant neu – für die Disziplin ebenso wie für die Augen der regelstrengen, traditionsbewussten Cyclocross-Szene. Für manche spannend, für andere seltsam. Doch nach der UCI-Freigabe und einigen Rennen in der Saison 2018 waren sich viele einig: Bike und Design waren ein echter Gamechanger.
Der Knick im Oberrohr ermöglichte einen technischen Widerspruch: ein größeres Rahmendreieck für besseres Schultern bei gleichzeitig maximal freigelegter Sattelstütze – was dort zu mehr Flex führte. Das erlaubte es den Fahrern, länger im Sattel zu bleiben – ein entscheidender Faktor für Erfolg in technischem Terrain und typisch für Fahrer wie Mathieu van der Poel.
„Wir haben dort nicht aufgehört“, ergänzt Lukas Schuchnigg, Senior Engineer bei Canyon. „Wir haben versucht, ultrakonsequent cyclocross-spezifisch zu denken. Wir haben hunderte Stunden im Schlamm und in Testlaboren verbracht, um Rennverläufe, Untergründe und das Verhalten der Fahrer zu analysieren. Uns war klar, dass das Bike als extrem nischig – oder sogar nerdig – wahrgenommen werden könnte. Trotzdem haben wir es getan.“
Ein Beispiel: Haltbarkeit. Der Carbonrahmen wurde nicht nur an den klassischen Belastungspunkten wie Tretlager oder Steuerrohr verstärkt. Stattdessen ist der Rahmen gezielt in den (normalerweise dünneren) mittleren Bereichen von Oberrohr, Sitzrohr und Unterrohr verstärkt. Warum? Weil Stürze, Ausrutscher und Stolpern im Cyclocross eher die Regel als die Ausnahme sind – und Fahrer dabei oft zu Fuß weiterlaufen, manchmal sogar über deinen Rahmen.
Unterstützt durch den Kink ermöglichte der Inflite-Rahmen einen weiteren Widerspruch: die Kombination aus Agilität – entscheidend für die heutigen Parcours – und Stabilität beim Bremsen (nicht dass Mathieu das nötig hätte) sowie bei Schräglagenfahrten ("off-camber", sprich: wenn du deine Linie halten willst, das Gelände aber abfällt). Oder, wie Mathieu van der Poel es ausdrückt: „Das Handling des Bikes ist extrem vorhersehbar – genau das mag ich daran.“
Trotz der Verstärkungen ist das Bike leicht – und bleibt es auch. An einem matschigen Renntag kann ein Crossbike bis zu zwei Pfund Schlamm an Rahmen, Antrieb und Reifen sammeln. Ein zentrales Ziel war es daher, den Rahmen so schlank wie möglich zu gestalten: mit interner Zugführung und ausreichendem Abstand zwischen Reifen und Rahmen, um Schlammanhaftungen zu vermeiden, das Gewicht niedrig zu halten und den Fahrer aus der Boxengasse fernzuhalten.
„Der Erfolg des Bikes liegt darin, dass es nicht aus dem Straßen- oder Gravelbereich adaptiert wurde, sondern aus dem Cyclocross heraus entstanden ist“, fasst Julian Biefang zusammen. Entscheidend ist: Diese Grundlagen haben sich als langlebig erwiesen. Anstatt Trends hinterherzujagen oder aus Marketinggründen Facelifts anzukündigen, ließ Canyon das Bike, wie es war. Denn es war – und ist – State of the Art.
Das ermöglichte den Fahrern, Saison für Saison eine tiefe Vertrautheit mit dem Bike aufzubauen – ein Schlüsselfaktor für Erfolg im Cyclocross, wo Bike-Handling alles ist.
So ist der Erfolg des Inflite nicht nur eine Cyclocross-Geschichte, sondern auch eine übergeordnete Story über Plattform-Integrität in einem Sport, der zunehmend von Neuheiten getrieben wird. In einer Landschaft, in der Leistungsversprechen oft durch ständigen Wandel verwässert werden, wirft die jahrelange Erfolgsserie des Inflite eine provokante Frage auf: Was, wenn das erfolgreichste Bike des Jahrzehnts nicht deshalb gewann, weil es sich ständig weiterentwickelte – sondern weil es von Anfang an richtig war?
2. Weitere Bilder: verfügbar unter dem angegebenen.
- Mathieu van der Poel erzielte seinen 51. Weltcup-Sieg am 25. Januar 2026 in Hoogerheide. In der zweiten Hälfte der Saison 2017/18 brachte er vor dem Wechsel auf das Inflite CFR insgesamt 13 Weltcup-Siege mit (2014/15: 1; 2015/16: 4; 2016/17: 3; 2017/18 bis 31. Dez.: 5). In den folgenden neun Jahren kamen weitere 38 Siege mit Canyon hinzu.
- Nicht nur van der Poel gewinnt auf dem Inflite CFR: Weitere erfolgreiche Fahrer:innen und Fahrer sind Ceylin del Carmen Alvarado (8 Weltcup-Siege), Puck Pieterse (9 Weltcup-Siege), Niels Vandeputte (1 Sieg) sowie Tibor del Grosso (U23-Siege).
4. Weitere Informationen zum Canyon Inflite: siehe Press Kit 2021